Das H1N1 - Virus
- Neues Influenza – Virus löst Pandemie aus
- Einordnung des Schweinegrippe - Virus
- Das Schwein als Brutstätte des H1N1 – Virus
- Fallzahlen des H1N1 - Virus
- Falldefinition der Schweinegrippe
- Zügige Therapie der Schweinegrippe
- Impfstoffe gegen das Virus
- Impfung kann das Virus stoppen
- Hygiene kann vor dem Virus schützen
Neues Influenza - Virus löst Pandemie aus
Im Frühjahr des Jahres 2009 breitete sich in Mittel- und Nordamerika ein neuer Untertyp des Influenza – Virus aus, dessen Krankheitsbild weltweit unter dem Begriff der Schweinegrippe Angst und Schrecken erzeugte. Es handelte sich um eine Pandemie. Unter Pandemie versteht man eine Ausbreitung einer Infektionskrankheit über Länder und Kontinente. Im Vergleich zu einer Epidemie ist eine Pandemie örtlich nicht beschränkt. Das Virus kann sich bei einer Pandemie mit Infektionsraten von bis zu 50 Prozent über den gesamten Planeten ausbreiten. Das Virus der sogenannten Schweinegrippe erwies sich als ein zuvor unbekannter Untertyp des H1N1 - Virus, der bei Schweinen, Enten und Menschen vorkommt. Dies erzeugte Assoziationen mit der Spanischen Grippe von 1918/1920, die zahlreiche Opfer forderte. Die Spanische Grippe war bisher die größte Seuche der Neuzeit. Und nicht unmittelbar durch das Virus starben die Menschen, sondern durch schwerwiegende Folgeerscheinungen wie beispielsweise Lungenentzündung.
Einordnung des Schweinegrippe - Virus
Schließlich gab es immer wieder Grippewellen, die allerdings nie den verheerenden Schaden wie im Jahre 1918 hinterließen. Bemühungen um einen geeigneten Impfstoff gegen dieses Virus finden seit langem statt. Die Pandemie im Jahr 2009 wurde durch das Influenza - Virus - Subtyp A / California / 7 /2009 ( H1N1 ) ausgelöst, der dann als Schweinegrippe - Virus bezeichnet wurde. Ende April des Jahres 2009 warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO vor einer weltweiten Pandemie, und bereits im Juni desselben Jahres wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.
Das Schwein als Brutstätte des H1N1 – Virus
Die Bezeichnung Schweinegrippe spiegelt nicht eindeutig den Ursprung dieses H1N1 – Virus wider und kann zu Verwechslungen führen. Die beim Hausschwein auftretende Schweine - Influenza wird durch porzine, also zum Schwein gehörende Influenza - Viren hervorgerufen. Varianten dieses Virus können zwar Ausgangspunkt einer auch für den Menschen ansteckenden Krankheit sein, sind dennoch nicht primär Auslöser einer eigenständigen Erkrankung beim Menschen. Daher wurden für dieses H1N1 – Virus auch Umschreibungen Mexikanische Grippe oder Nordamerikanische Grippe vorgeschlagen, die sich besser bisherigen Bezeichnungen großer Seuchenzüge wie zum Beispiel der Spanischen Grippe zuordnen lassen.
Schweine sind ein bevorzugter Ort der Vermehrung verschiedener Influenza - Viren. Grund: Die Luftröhre von Schweinen besitzt speziell gebaute Zellen, in die Influenza - Viren von Menschen bzw. Vögeln besonders leicht eindringen können. Das Genom des Influenza – A -Virus ist auf acht Segmente verteilt. Diese Segmente können sich bei einer Doppelinfektion mit verschiedenen Viren neu kombinieren. Schweine bilden dabei eine Art Mischgefäß (mixing vessel) für verschiedene Virus - Varianten und sind ein Bindeglied zwischen Menschen und Vögeln. Auslöser ist immer ein neuer Subtyp des Influenza – A - Virus, der durch eine Durchmischung von und durch Austausch genetischer Informationen zwischen verschiedenen Virus - Arten oder Virus - Subtypen entsteht. Schweine gelten deshalb als mixing vessel, weil sie den Übertritt des Virus auf Menschen erst ermöglichen und bei der Entstehung humaner Virenstämme eine große Rolle spielen.
Da diese Durchmischung von Vogelgrippe - Viren und humanen Influenza - Viren im Schwein stattfindet, ist das Schwein ein geeigneter Träger beider Viren. Der Erreger der Schweinegrippe ist ein Grippe - Virus vom Typ Influenza A. Mit Hilfe zweier Oberflächenmerkmale (Hämagglutinin und Neuraminidase) werden die Influenza A-Viren in verschiedene Untergruppen (Subtypen) eingeteilt. Das Schweinegrippe - Virus gehört zum Subtyp H1N1.
Dieser Subtyp A / H1N1 ist ein häufiger Subtyp der Human - Influenza. Er kann leicht in das Erbgut menschlicher Körperzellen eindringen. Da sein erster Nachweis aus Schweinen erfolgte, werden durch diesen Subtyp verursachte Infektionen beim Schwein als Schweine - Influenza und beim Menschen umgangssprachlich als Schweinegrippe bezeichnet. Eine Variante von A / H1N1 konnte als Auslöser der Spanischen Grippe von 1918 im Lungengewebe von Todesopfern nachgewiesen werden.
1976 wurde ein Übergreifen eines im Schwein vorkommenden Virus auf Menschen beobachtet. Vier Menschen erkrankten dabei an einer viralen Lungenentzündung, ein Patient überlebte nicht. Der Virus - Stamm glich einem ein Jahr zuvor aus Schweinen isolierten Subtyp. Eine neu aufgetretene Variante des Subtyps Influenza – A - Virus H1N1 wurde im April 2009 in Mexiko und den Vereinigen Staaten eindeutig nachgewiesen. Die neue Form wird tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragen, das Schlagwort Schweinegrippe war seit dem im Umlauf.
Fallzahlen des H1N1 - Virus
Bis Oktober 2009 wurden der Weltgesundheitsorganisation ( WHO ) weltweit mehr als 440.000 bestätigte Infektionen mit dem Schweinegrippe - Virus H1N1 - 2009 - Virus gemeldet, von denen fast 6000 tödlich endeten. Das Bild schien sich überall zu ähneln; die meisten Patienten erkrankten nur leicht. Allerdings gab es eine nicht zu vernachlässigende Zahl von sehr schweren und teilweise tödlichen Krankheitsverläufen, wobei auch Personen betroffen waren, die nicht zur Hochrisikogruppe gehören.
Seit Mai 2009 bestand in Deutschland neben der Meldepflicht einer festgestellten Influenza - Infektion nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) zusätzlich eine Meldepflicht für Verdachtsfälle. Aufgrund der raschen Ausbreitung der Schweinegrippe wurde die Meldepflicht eingeschränkt. Ab November 2009 müssen nur noch Patienten erfasst werden, bei denen die Infektion eindeutig nachweisbar ist. Ebenso Todesfälle, die in Verbindung mit der Schweinegrippe stehen.
Falldefinition der Schweinegrippe
Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat einen abgestuften Definitionsrahmen für individuelle Schweinegrippe - Fälle entwickelt. In Deutschland sind dem RKI von Ende April bis November 2009 über 130.000 bestätigte Fälle des neuen H1N1 – Virus gemeldet worden, wobei die folgende Referenzdefiniton des RKI zugrunde gelegt wurde:
Verdachts-, wahrscheinliche und bestätigte Fälle werden durch Kriterien festgelegt, die zusammen die sogenannte Falldefinition ausmachen. Grundkriterien sind die akute Erkrankung oder Tod und die Exposition des Erkrankten. Unter Exposition wird beispielsweise der Aufenthaltsort in einem Risikogebiet außerhalb Deutschlands oder der unmittelbare Kontakt mit einem wahrscheinlichen oder bestätigten Krankheits- oder Todesfall verstanden. Zu den Verdachtsfällen zählen Personen mit erfülltem klinischen Bild und Vorliegen der epidemiologischen Exposition sowie fehlendem Nachweis einer anderen Ursache. Unter den wahrscheinlichen Fall fallen Personen mit labordiagnostischem Nachweis des H1N1 – Virus und einem negativen labordiagnostischen Ergebnis für die allgemeine saisonale Grippe. Zum bestätigten Fall werden Personen gerechnet, bei denen das Schweinegrippe - Virus durch das RKI nachgewiesen ist.
Zügige Therapie der Schweinegrippe
Die Symptome der
Schweinegrippe unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der jährlich wiederkehrenden Grippe. Hohes Fieber ist dabei das hauptsächliche Merkmal. Ein bis zwei, höchstens jedoch vier Tage beträgt die Inkubationszeit. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO verursacht das H1N1 – Virus in den meisten Fällen milde Krankheitsverläufe mit anschließender völliger Genesung. Dennoch wurden schwere und bei der saisonalen Influenza so nicht bekannte Verläufe bei einer wahrnehmbaren Anzahl von Fällen beobachtet. Teilweise nahmen die vom H1N1 – Virus ausgelösten Folgeerkrankungen einen derart dramatischen Verlauf, so dass intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich waren. Selbst Todesfälle auch bei Jüngeren waren zu beklagen. Obgleich das Risiko eines schweren Verlaufs für bestimmte Personengruppen deutlich erhöht ist, können also bisher gesunde junge Erwachsene ein sehr heftiges Krankheitsbild zeigen.
Impfstoffe gegen das Virus
Schon bei ersten Symptomen der Schweinegrippe sollte ein Arzt aufgesucht werden, da die Behandlung mit Virostatika zeitig einsetzen muss. Virostatika sind Substanzen, die virusbedingte Infektionskrankheiten in Schach halten können und die Vermehrung von Viren hemmen. Strenge und lange Bettruhe und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sind unabdingbar. Das Schweinegrippe - Virus ist gegen die Influenza - Mittel Amantadin und Rimantadin resistent. Neuraminidase - Hemmer wie Tamiflu und Relenza zeigen jedoch Wirkung. Diese Stoffe entfalten allerdings nur dann ihre Wirkung, wenn sie innerhalb der ersten 48 Stunden nach den ersten H1N1 - Symptomen eingenommen werden. Vereinzelt gab es auch Fälle, in denen eine Tamiflu - Resistenz bei der Schweinegrippe registriert wurde.
Impfung kann das Virus stoppen
Die WHO empfahl Mitte des Jahres 2009, vor allem medizinisches Personal zu impfen. Zugleich wurde es den Behörden überlassen, bestimmte Gruppen vorrangig zu impfen. Dazu zählen Kinder und Jugendliche, die das H1N1 - Virus schnell verbreiten, oder Personen unter 50 Jahren, die eine schwächere Immunität gegen das Virus besitzen. Aufmerksamkeit wurden in diesem Zusammenhang auch Schwangeren, älteren Menschen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege oder großem Übergewicht zuteil.
Innerhalb der Europäischen Union sind die folgenden Substanzen die geläufigsten: Celvapan, welches aus kompletten Virenhüllen von in Säugetierzellen gezüchteten Viren ohne Wirkverstärker produziert wird und Pandemrix, welches aus Bruchteilen von Virenhüllen von gezüchteten Viren mit Wirkverstärker hergestellt wird. Der Impfstoff Celvapan kam vor allem in Österreich zur Anwendung.
Die Impfaktion hat in Deutschland im Oktober 2009 begonnen. Für die Durchführung sind in den meisten Städten und Kreisen die Gesundheitsämter und niedergelassene Ärzte zuständig. Bei Angehörigen der Bundeswehr und einiger Bundesbehörden wurde Celvapan eingesetzt, das ohne einen starken Wirkverstärker auskommt.
Nach Todesfällen unmittelbar nach der Impfung, diskutierte man den Nutzen und Gefährlichkeit dieser Maßnahme. Vielfach wurde darauf hingewiesen, dass die Todesfälle in Deutschland mit der Schweinegrippe - Impfung in keinem Zusammenhang stehen.
Hygiene kann vor dem Virus schützen
Individueller Schutz gegen das H1N1 - Virus kann durch regelmäßige Desinfektion und gründliches Händewaschen erzielt werden. Auf Hygiene sollte auch nach dem Abebben der Schweinegrippe - Welle Wert gelegt werden. Hände sollten vom Gesicht ferngehalten werden, da der Schweinegrippe - Erreger sehr schnell über Augen und Schleimhäute eindringen kann. Ansammlungen von Menschen sind vor allem in Regionen zu meiden, die in besonderer Weise vom H1N1 – Virus betroffen sind. Das Husten und Niesen in Ärmel bzw. Armbeuge statt in die Hand sei angemahnt, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus so gering wie möglich zu halten. Das Tragen eines Mundschutzes kann nur begrenzt gegen die Tröpfcheninfektion schützen.












